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ESG-Anlagen – ein Praxistest für das Change Management
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ESG-Anlagen – ein Praxistest für das Change Management

14/01/2019

Es sind nun fast zwei Jahre vergangen, seitdem wir unsere erste Untersuchung darüber veröffentlichten, wie Unternehmen das Thema ESG-Anlagen anpacken. Die Ergebnisse haben uns alle überrascht, vor allem die Absicht der institutionellen Anleger, ihre ESG-Anlagen im Verlauf der nächsten zwei Jahre zu verdoppeln. Nachdem nun zwei Jahre vergangen sind, wollten wir die Studie wiederholen, um festzustellen, welche Veränderungen sich ergeben haben, und ob Anleger angesichts des turbulenteren Marktumfelds an ihren ESG-Plänen festhalten. Unsere Research-Abteilung hat die Datenerhebung kürzlich beendet und es liegen erste Zwischenergebnisse auf Grundlage der Einschätzungen von mehr als 340 Asset Managern und Asset Ownern weltweit vor

Größeres Interesse an ESG-Anlagen

Es gibt positive Neuigkeiten zu vermelden:

Fast die Hälfte der Teilnehmer (49%) rechnet damit, im Verlauf der nächsten zwei Jahre 50–75% ihrer Vermögen unter Berücksichtigung von ESG-Faktoren anzulegen. Fast zwei Drittel (61%) gehen davon aus, dass ihr ESG-Portfolio in den kommenden fünf Jahren eine Outperformance erzielen wird. Die Teilnehmer geben jedoch an, dass es nicht möglich sei, die Outperformance ausschließlich auf ESG-Faktoren zurückzuführen.

Wir stellen uns nun die Frage, ob sich ESG-konforme Anlagen in einem turbulenteren Anlagemarkt positiv entwickeln werden, wenn Anleger nicht in der Lage sind, ESG-Faktoren mit der Wertentwicklung in Verbindung zu bringen.

Die Kunst besteht darin, auf die richtigen ESG-Kompetenzprofile zu setzen. Schulungen sind erforderlich

Asset Owner benötigen Spezialisten und erwarten nachweisbare Leistungen von ihren Asset Managern. Im vergangenen Jahr haben 54% der Asset Owner speziell wegen ihrer ESG-Kompetenzen Mandate an Asset Manager vergeben.

Aber wie wird man zum Spezialisten und wie erwirbt man das richtige Kompetenzprofil?

40% der Teilnehmer gehen davon aus, dass ihre bestehenden Teams in den kommenden zwölf Monaten Schulungen zu Grundsätzen und Best-Practice-Verfahren im Bereich ESG erhalten werden. Weniger als ein Drittel der Befragten plant, neue Mitarbeiter für ESG-Teams außerhalb traditioneller Branchen zu rekrutieren (d. h. aus dem Nachhaltigkeitsconsulting oder aus Nicht-Regierungsorganisationen). Dies ist eine interessante Tatsache, da dieser Schritt nahelegt, dass ESG-Teams in Zukunft ein höheres Maß an Vielfalt aufweisen werden, der Schwerpunkt derzeit aber auf der Umschulung bestehender Teams liegt.   

Organisation und die Rolle des CEO

Im Grunde genommen dreht sich bei den Themen Nachhaltigkeit und ESG alles um das Change Management bestehender Strategien. Die Integration von ESG-Prinzipien stellt eine Herausforderung dar, gehört aber allmählich zum Kernstandard. 40% der Teilnehmer geben an, dass ESG eine zunehmend wichtigere Rolle bei der Anlagestrategie ihres Unternehmens spielt, obwohl ESG-Faktoren noch kein Kernelement ihrer Strategie darstellen. Nur knapp ein Viertel (23%) gibt an, dass ESG-Kompetenzen unternehmensweit verankert sind.

Die ESG-Anlageteams sind verantwortlich für die praktische Einbeziehung von ESG-Faktoren. Diese Dimension der Veränderung und ein neuer Denkansatz erfordern Unterstützung von den Führungskräften, insbesondere wenn ESG mehr sein soll als nur ein Marketing-Manöver. Unsere Umfrage aus dem Jahr 2017 ergab, dass die Antworten von Führungskräften auf C-Ebene hinsichtlich der ESG-Kompetenzen deutlich optimistischer ausfielen als die von ESG-Analysten.   

Aus diesem Grund könnte man das Argument ins Feld führen (Sie sind vielleicht anderer Meinung), dass die ESG-Anlageteams direkt an den CEO berichten sollten. Auf diese Weise übernehmen CEOs die persönliche Verantwortung für die ESG-Strategie und ihre Umsetzung. In unserer Umfrage haben wir jedoch festgestellt, dass ESG-Teams im Allgemeinen nicht direkt dem CEO unterstellt sind. Ein Fünftel (20%) gibt an, dass sein ESG-Team oder sein ESG-Spezialist direkt an den CEO berichtet, während 31% an den Investment Director berichten. Muss die ESG-Umsetzung stärker in der Verantwortung des CEO liegen, wenn ein Unternehmen es ernst damit meint?

Regulierung ist die treibende Kraft. Daten sind die Barriere

Regulierung ist auf dem Vormarsch und wird die Einbindung von ESG-Faktoren beschleunigen. 60% der Teilnehmer stimmen zu, dass die politischen Entscheidungsträger ihre Anforderungen hinsichtlich der Offenlegung von ESG-Daten in den nächsten zwölf Monaten verschärfen werden. Und eine ähnliche Zahl von Befragten (61%) plant, aus diesem Grund zusätzliche Ressourcen für ESG zur Verfügung zu stellen.

Natürlich gibt es Hindernisse, und die größte Hürde sind weiterhin Daten. Unsere Umfrage von 2017 kam damals zum gleichen Ergebnis. Die uneinheitliche Datenqualität, die sämtliche Anlegeklassen betrifft, bleibt die größte Herausforderung für Asset Owner und ihre Asset Manager. Die Teilnehmer gaben dieses Mal an, dass es sich dabei um die bedeutendste Hürde bei der portfolioweiten Umsetzung von ESG-Grundsätzen handeln würde, zusammen mit den Kosten, die für die Investitionen in neue Technologien anfallen. Daraus ergibt sich, dass die Teilnehmer der Datenerfassung/-Analyse oberste Priorität bei den Technologieinvestitionen einräumen.

Wie handhaben die Unternehmen die Analyse und die Daten und die sich ergebenden Unstimmigkeiten? Möglicherweise mithilfe externer Technologiedienstleister. In den nächsten zwei Jahren planen 52% der Teilnehmer, zur Unterstützung von ESG-Anlagen externe Technologiepartner unter Vertrag zu nehmen – eine kleinere Zahl der Befragten beabsichtigt, derartige Kapazitäten intern zu entwickeln.

Nachhaltigkeitsziele (Sustainable Development Goals, SDG) als Grundlage von ESG-Anlagen?

Und zu guter Letzt wollen wir auf den Aspekt des Kulturwandels eingehen. Die SDG stellen ein Umdenken dar – sie repräsentieren einen neuen Bezugspunkt und eine breitere Herangehensweise an ESG. Wir haben es sehr begrüßt, dass 65% der Befragten ihren Investitionsrahmen an den SDG ausrichten. Leider war der Hauptgrund dafür, dass Teilnehmer die SDG nicht als Bezugspunkt nutzen, der Mangel an Informationen/Daten. Etwas weniger als die Hälfte (46%) der Befragten geben an, dass die Beurteilung der Komponente S (Soziales) der ESG-Prinzipien und ihre Einbindung in die Investmentanalyse am schwierigsten seien. Es ist durchaus möglich, dass die SDG sich dabei als nützlich erweisen könnten.

Die endgültigen Umfrageergebnisse werden im März 2019 veröffentlicht. Kontaktieren Sie Ihren lokalen Ansprechpartner bei BNP Paribas, um ein Exemplar zu erhalten, oder informieren Sie sich kurz vor dem Veröffentlichungstermin auf unserer Website.

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